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Jede Melodie in anderem Kostüm Selbst
ist die Frau: Marina Salamon gastierte im Leidinger Saarbrücken. „Berlin child“ heißt ein Song von Marina Salamon. Sie ist ein Kind von der Spree, das es vor eineinhalb Jahrzehnten ins lauschige Nordsaarland verschlug. Nach
Mitwirkung in wenig bekannten Bands bereist Salamon nun mit einem Solo-Programm die Kleinkunst-Podien unserer Region. Selbst ist die Frau: Alle Lieder stammen aus eigener Feder, Salamon begleitet ihren Gesang eigenhändig mit
der Gitarre. Und ihr starkes Konzert im dünn besiedelten Leidinger unterstrich, dass man in Zukunft mit ihrem Timbre wird rechnen müssen. Marina Salamon hat eine Stimme mit hohem Wiedererkennungswert, die mit natürlichem
Pathos berührt: klangvoll in der Tiefe und durchdringend in den Höhen. Leichtfüßiger Humor ist ihre Sache nicht. Selbst wenn Salamon ihre Power deutlich zurücknimmt, wie hier häufig in der zweiten Konzerthälfte, so klingen ihre
englischsprachigen Songs doch meist wie Glaubensbekenntnisse. Egal, ob sie nun von verwirrten alten Menschen, den Freuden von Pauschalreisen, von der Routine dauerhafter Liebesbeziehungen oder dem Übereifer der Werbewirtschaft
handeln. Breit ist die Themen-Palette. Viele Anregungen hat die Frau mit dem markanten Kurzhaar und schlanken Zopf in ihrer früheren Berliner Heimat gesammelt, über die sie auch zwischen den Liedern gerne plaudert.
Musikalisch lehnen sich die melancholischen Pop-Balladen nicht zuletzt an die großen Songschreiber der 60er Jahre an. Mal klingen sie folkig, mal fast schon ein bisschen jazzig. Und ihre besten Kreationen verfügen über jene Art
von Refrains, die erst bei mehrmaligem Hören haften bleiben. Also keine Schnellkost, sondern Musik für Kenner. Dazu tragen auch die detailreichen Begleitungen bei, mal mit der Akustik-Gitarre, mal elektrisch verstärkt. Selbst
wenn man über die Zugkraft des ein oder anderen Rhythmus streiten kann: Im Unterschied zu vielen bequemen Kollegen strickt Salamon zu jeder Melodie ein anderes Kostüm. Neben der eigenen Handschrift fehlte es dem Abend somit
auch nicht an willkommener Abwechslung. Begeisterter Beifall. STEFAN UHRMACHER
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