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aus der Saarbrücker Zeitung vom 11.12.2002: |
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Zum Nachdenken, zum Träumen und zum Mitfühlen Liedermacherin Marina Salamon trat im St. Wendeler Landgasthof Felsenmühle auf St. Wendel. Recht kräftiger, lang anhaltender Applaus brandete auf, als Marina Salamon fürs Erste ihr Konzert beendet hatte. So machte das am vergangenen Samstag von nah und fern in die St. Wendeler Felsenmühle gekommene Publikum klar, dass es mehr wollte. Spätestens zu diesem Zeitpunkt konnte kein Zweifel mehr daran bestehen, wie das erstmals öffentlich gespielte Soloprogramm der Liedermacherin angekommen war. Marina Salamon hatte ihren Zuhörern mehr als das übliche Pop-Einerlei geboten. Das lag zum einen an ihrer Musik, einer interessanten Mischung aus Neofolk, Country, Blues, Vokaljazz und eben Pop. Zum anderen unterschied sie sich durch die thematische Tiefe und Breite ihrer ausschließlich in Englisch vorgetragenen Lieder. In der Tradition amerikanischer und auch deutscher Liedermacher scheute sie sich nicht, Position zu beziehen. So spielte Marina Salamon mit „Ashes of Desire" ein klassisches Anti-Kriegslied, das sie bereits 1978 geschrieben hat. Während sie sich in ihrem Text zur Gewaltlosigkeit bekannte, entlockte sie ihrer Gitarre harmonische Klänge, wodurch sie ihrer Sehnsucht nach Frieden zusätzlich Ausdruck verlieh. An anderen Stellen des Konzerts schlug sie ihre Gitarre rhythmisch an, zuweilen ergab sich auch ein spannender Kontrast zwischen dem Text und der Art und Weise, wie sie die Gitarre spielte. Und immer wieder gewährte Marina Salamon Einblicke in ihr Leben. In dem Lied „Berlin Child" bekannte sich die Sängerin zu ihrer Geburtsstadt Berlin. Darin gab sie auch preis, wie sie sich mitunter selbst sieht: „Ich bin verrückt und ein bisschen wild." Offenheiten wie diese ließen die Künstlerin in jeder Phase des Konzerts echt wirken. Dem Zuhörer wurde nichts vorgemacht. Sie verstellte sich nicht. Sie führte ihre Lieder nicht in großer Pose auf, sondern hauchte ihnen geradezu Leben ein. Dabei half ihr nicht zuletzt ihre wandlungsfähige Stimme. So erklärt sich auch, dass man sich manchmal erinnert fühlte an so unterschiedliche Sängerinnen wie die Amerikanerin Tracy Chapman oder die Irin Dolores ÒRiordan von den „Cranberries". Je nach Stimmungslage der Texte veränderte sie ihre Stimme. Mal wurde sie eindringlich leise, mal hob sie ihre Stimme klagend an. Es war beeindruckend, wenn Marina Salamon mit dem vollen Volumen ihrer dunklen Stimme den Raum füllte. Spielerisch leicht wirkte ihr Gesang, wenn sie zeitkritische Stücke mit einem Augenzwinkern vortrug. Nicht zuletzt diese Stücke waren es, die das Konzert abwechselungsreich machten. In dem schmissigen Lied „About life and love and more important things" nahm sie die Sensationslust der Boulevard-Presse aufs Korn. Mit einer verführerischen Melodie spielte sie das konsumkritische Stuck „Merchandising Altar". Vor dem geistigen Auge glaubte man dann wirklich eine Person zu sehen, die durch die Geschäfte irrt, auf der Suche nach Dingen, die niemand braucht. Die Kritik von Marina Salamon wirkte aber in keiner Phase aufdringlich. Vielmehr eröffnete sie dem Zuhörer in anderen Momenten des Konzerts Alternativen, beispielsweise wenn sie in dem Stück „Holy Holidays" den Wert des Träumens betonte. Und dann träumte man sich gerne mit ihr weg: nach Paris, nach London oder nach Alaska. Seine intensivsten Momente hatte das Konzert, wenn Marina Salamon Stücke spielte, in denen sie sich in die Gefühlslagen anderer Menschen hineinversetzte, wenn sie die menschliche Zweisamkeit in ihrer Vielschichtigkeit beleuchtete und das menschliche Leben im Allgemeinen betrachtete. In diesen Liedern versteckte sie sich aber nie hinter Floskeln, sondern blieb als Person ständig präsent. Dies lag zum einen an den konkreten Geschichten, die sie in ihren Stücken erzählte. Zum anderen an ihren persönlichen Ausführungen, mit denen Marina Salamon die meisten ihrer Liedern einleitete. So gewährte sie den Zuhörern immer wieder Einblicke in die Werkstatt des Liedermachens, wodurch sie einen direkten Zugang zu ihren Stücken eröffnete. Dies trug zur intimen Atmosphäre des Konzerts genauso bei wie das Ambiente in der Felsenmühle. Als Holzscheite im Kamin knisterten, Kerzen auf den Tischen brannten, ein Getränk vor den Leuten stand und Marina Salamon ihr Konzert beendete, war klar: Alle wollten eine Zugabe. HEINER MICANSKY |
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