Ich war einmal ... kurz bevor die "Beatles" mit "From Me To You" ihren dritten Hit feierten, erblickte ich im Sternzeichen des
Widders als kahlköpfiges Mädchen, das irgendwann, gelegentlich, auf den klangvollen Namen "Marina" hören sollte, in einer Berliner Klinik das Licht der Welt. Musikalische Ambitionen waren
noch keine festzustellen; in den ersten Jahren war ich ein ruhiges Kind.
Doch nur wenig später, als die Beatles gerade mit dem "White Album" einen weiteren Meilenstein in der Musikgeschichte gesetzt hatten, entschloß ich pflegeleichtes Kind mich, den bisher
einzigen Hobbys (Eltern mit ständiger Widerrede nerven und wiederholtes Durcheinanderbringen der Bücherregal-Ordnung der älteren Schwester) ein weiteres hinzuzufügen: ich lernte
Blockflöte spielen. Da dieses schöne Instrument schon bald nicht mehr den sich nun langsam entwickelnden, musikalischen Vorstellungen entsprach, wechselte ich, zu diesem Zeitpunkt
schon deutlich mehr Berliner Göre als Kind, zur klassischen Gitarre. Die Klassik erwies sich jedoch als einigermaßen ungeeignet, eine lautstarke Begleitung zu den Beatles Songs zu
entwickeln, die ich grölte, wenn meine Eltern mir - selten genug - das Kampffeld der häuslichen Wohnung allein überließen. So kräftigte ich meine Lungen durch markerschütterndes Mitsingen
der geliebten Musiktitel. Der altersschwache Plattenspieler hatte keine Chance. Auch nicht die genervt an die Wand klopfenden Nachbarn. Niemand konnte also verhindern, dass ich schließlich
sogar eigene Songs komponierte. Der attraktive Englischschullehrer dieser Jahre ist schuld, wenn ich noch heute englische Texte schreibe. Dem nach einigen Jahren nachlassenden Verliebtheitswahn wiederum ist es zu verdanken,
dass sich mein musikalischer Background entscheidend erweiterte und ich mich wieder der klassischen Musik widmete. John Lennon war gerade erschossen worden, als ich ein Musikstudium zu meinem Berufswunsch erkor. Ich
lernte einige Jahre Violine und Klavier, mußte aber letztlich feststellen, dass die Berliner Musikhochschule mein musikalisches Talent für nicht ausreichend hielt und mir diese Laufbahn verweigerte. Die nächsten unruhigen Jahre
des Suchens und Ausprobierens finanzierte ich dennoch nicht mit meiner Kompositions- und Sangeskunst der frühen
Jahre. (Zu tief saß der Schrecken des ersten Auftritts im verräucherten "Steve-Club" in der damaligen City (West-)Berlins: Ohne Netz und doppelten Boden hatte ich einige Songs von Simone & Furunkel, den Beatles, und aus
dem eigenen Kicherverzeichnis im Rahmen einer Talentsuche zum Besten geben wollen. Leider war eine unerwartet eintretende Erinnerungslöschung von sehr dauerhafter Natur. Nach ein, zwei Songs wollte mir der Rest einfach nicht
mehr einfallen. Und obwohl die Leute im Club schon damals begeistert "more, more, more!" forderten, verließ ich,
schüchtern wie ich eben war, entnervt die Bühne und kehrte nicht mehr zurück.) So quälte ich also viele Jahre später
lieber Schüler/innen aller Altersgruppen mit klassischem Gitarrenunterricht. Nach Jahren des "Dolce Vitas" als Gitarrenlehrerin absolvierte ich aber doch noch die von meinen Eltern so ersehnte seriöse, kaufmännische
Ausbildung. Als ich mich, nun entschieden selbstbewusster geworden, dazu durchrang, ein eigenes Unternehmen zu eröffnen, verstummten auch die letzten Reste aktiver, musikalischer Beschäftigung.
Im noch reiferen Alter, die überlebenden Beatles hatten mit "Free As A Bird" und "Real Love" auch gerade so etwas
wie eine Wiedervereinigung gestartet, forderten die Lebenserschütterungen ihren Tribut: ich entdeckte "meine"
Musik wieder. Jahrelang unterdrückte Kreativität brach sich Bahn. Um mit meiner Talentlosigkeit nicht weiter
aufzufallen, gründete ich die Band "Silk & Steel", die hauptsächlich Coverversionen spielte. Das nächste Bandprojekt
"ThirdPole" mühte sich dann schon ausschließlich mit eigenen Songs aus meiner nicht mehr austrocknenden Feder.
Ständige Querelen und unterschiedliche Ansichten über die Zielsetzung des Projektes führten nach annähernd zwei erfolgreichen Jahren, in denen die Band u.a. auch auf dem Stadtfest im saarländischen St. Wendel spielen konnte,
zu ihrer Auflösung. Befreit von all dem ideologischen Ballast, den ein Bandprojekt mit sich bringt, entstanden nun
endlich die Songs, die ich schon immer hatte schreiben wollen: vielseitig, abwechslungsreich und anspruchsvoll. Seit
kurzem stehe ich mit meinem Soloprogramm wieder auf der Bühne. Und wenn ich nicht davon gelaufen bin, dann singe ich noch heute ...